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#41
Presse/TV/Rundfunk/Youtube/Internet / Aw: München: Strahlen-Alarm an...
Letzter Beitrag von NoLi - 30. April 2026, 21:31
Wenn in einem unerwarteten Bereich eine dauerhafte, nicht durch statistische Schwankung bedingte, Dosisleistung > 0,3 µSv/h auftritt bzw. angezeigt wird, sollte die Ursache abgeklärt werden. Daher hatte die unbekannte Person durchaus richtig gehandelt, indem sie sich an die Sicherheitsbehörde wandte.
Besser eine "Fehlalarmierung" als eine nicht weiter beachtete abnormale radiologische Situation, eventuell illegalen Ursprungs.

Norbert
#42
Presse/TV/Rundfunk/Youtube/Internet / Aw: München: Strahlen-Alarm an...
Letzter Beitrag von Banev - 30. April 2026, 19:45
Zitat von: Lennart am 30. April 2026, 15:35
Zitat von: BanevAb welcher ODL würdet ihr denn zum Telefon greifen?
Das könnte ich so pauschal gar nicht beantworten. Für mich persönlich hängt das von mehreren Faktoren ab:
- bestätigen mehrere Geräte die Anwesenheit ionisierender Strahlung?
- Fehlalarm sicher auszuschließen?
- ist das Nuklid künstlich oder natürlichen Ursprungs?
- bekanntes Uranbergbaugebiet?
- Punktquelle oder großflächig ausgedehntes Strahlungsfeld?

Es ging mir um die Art von Situation, die in diesem Fall vorlag:
  • Ich bin der einzige vor Ort und habe nur ein Gerät dabei, das mir jedoch in der Bedienung vertraut und als zuverlässig bekannt ist.
  • Es ist ein Geigerzähler, ich kann also das Nuklid nicht eingrenzen.
  • Es ist kein Glitch, d.h. die Messung ist reproduzierbar und ich kann einen Fehlalarm durch mehrfache Prüfung der Ortsabhängigkeit der DL mit einiger Wahrscheinlichkeit ausschließen.
  • Es handelt sich um eine Stelle in einer ›radiologisch unverdächtigen‹ Umgebung – also weit und breit keine Bergbauhalde/weggeworfene Mineraliensammlung/Abklingbecken/seltsamer Gegenstand mit Trefoil ...  :o
  • Es gibt keine offensichtliche Quelle für stärkere EM-Strahlung (Sendemast/Hochspannungsleitung ...) in der Umgebung, die das Gerät evtl. beeinflussen könnte.
  • Lichtabhängigkeit kann ich ebenfalls ausschließen (Gerät in Tasche/Hülle/Ärmel ...).
  • Die DL ist höher als beispielsweise auf einer Halde in Jachymov oder am Rosinaschacht in Freital
  • Ich bin mir relativ sicher, dass hier nicht nur ein Radiologie-Patient an einen Baum gepinkelt hat ;D
#43
Hallo Lukas,
... wie gewohnt eine saubere Arbeit!

RESPEKT !!!

Viele Grüsse,
Ralf
#44
Software / Aw: Rad Pro : quelloffene Alte...
Letzter Beitrag von DG0MG - 30. April 2026, 16:58
Zitat von: Pinin am 30. April 2026, 15:20es Bundesamtes für Strahlenschutz liegt in meiner Umgebung aktuell bei 0,11 µSv/h.

Bitte von dem Gedanken lösen, dass das irgendeine Rolle spielt. Du kannst 50 Meter von der Sonde weg in einem Gebäude sein und völlig andere Messwerte haben, als die Sonde selbst auf der Wiese misst. Ein Vergleich ist nur zulässig, wenn Du UNMITTELBAR DANEBEN stehst. Weiterhin solltest Du für Messvergleiche eine möglichst lange Average-Time wählen - mindestens 10-15 Minuten.

Wenn trotz gleicher cpm-Werte die angezeigten Dosisleistungen unterschiedlich sind, hat sich der Kalibrierfaktor für das Zählrohr (oder überhaupt der Zählrohrtyp) geändert. Musst Du mal in die betreffenden Menüpunkte schauen.
#45
Presse/TV/Rundfunk/Youtube/Internet / Aw: München: Strahlen-Alarm an...
Letzter Beitrag von DG0MG - 30. April 2026, 16:21
Es wär' jetzt noch interessant, ob das Zeug jemand wegräumt, oder ob es liegenbleibt, bis der nächste Geigerzählerbesitzer messen kommt?

Vielleicht nochmal Zitate von https://www.br.de/nachrichten/bayern/strahlen-verdacht-im-englischen-garten-das-war-der-ausloeser,VIBLkeN

"Ein Fleck, der mutmaßlich aus Straßenbaustaub bestand .."

"Spezialisten der Feuerwehr untersuchten den schwarzen Staubfleck .."

Wenn da ein "Staubfleck" war, dann war das ja nur eine dünne Schicht und nur oberflächlich. Um so erstaunlicher, dass etwas Staub trotzdem 1,5 µSv/h produziert (wir wissen leider nicht, in welchem Abstand).
Ein Foto des Ereignisortes würde mich schon auch mal interessieren.
#46
Zitat von: Banev am 29. April 2026, 21:56Ab welcher ODL würdet ihr denn zum Telefon greifen?

Das könnte ich so pauschal gar nicht beantworten. Für mich persönlich hängt das von mehreren Faktoren ab:

- bestätigen mehrere Geräte die Anwesenheit ionisierender Strahlung?
- Fehlalarm sicher auszuschließen?
- ist das Nuklid künstlich oder natürlichen Ursprungs?
- bekanntes Uranbergbaugebiet?
- Punktquelle oder großflächig ausgedehntes Strahlungsfeld?

Erst dann, wenn diese Fragen alle geklärt sind, würde ich mir Gedanken über die Dosisleistung machen.
#47
Software / Aw: Rad Pro : quelloffene Alte...
Letzter Beitrag von Pinin - 30. April 2026, 15:20
Hi Gissio, danke für deine Rückmeldung.

Gestern habe ich meinen FNIRSI GC-01 (Original vom Hersteller, Röhre: M4011, Baujahr 2025) verwendet, um Rad Pro 3.1.1 mit Rad Pro 3.0.2 zu vergleichen.
Die natürliche Hintergrundstrahlung laut den Gamma-Messstationen des Bundesamtes für Strahlenschutz liegt in meiner Umgebung aktuell bei 0,11 µSv/h.

Meine Messwerte:
Rad Pro 3.0.2: Durchschnitt (Average) = 0,130 µSv/h
Rad Pro 3.1.1: Durchschnitt (Average) = 0,229 µSv/h zu hoch
Die Zählrate (CPM) war bei beiden Versionen etwa gleich: 21 cpm.

Für den Test habe ich den GC-01 in eine Blechdose gelegt und eine Stunde im Freien auf einen Tisch gestellt.
Praktisch hätte auch schon eine Minute gereicht, da sich der FNIRSI GC-01 sehr schnell auf die Werte einpendelt.
Bis auf die M4011-Röhreneinstellung war bei beiden Versionen alles auf Werkseinstellung.

Bei Project 326 gibt es einen etwa zwei Jahre alten Vergleich zwischen einem Radiacode 102 und einem FNIRSI GC-01 mit der älteren Rad Pro-Version.
Die Durchschnittswerte der Hintergrundstrahlung lagen dabei sehr nah beieinander.

1. Wie kommt es, dass Rad Pro 3.1.1 im Vergleich zur alten Version 3.0.2 eine deutlich höhere und unpräzisere natürliche Hintergrundstrahlung liefert?
2. Was bedeutet im HV-Profil bei 3.0.2 die Einstellung ,Energiesparend'? Ich habe das kurz ausprobiert, aber dabei kommen keine Impulse, kein Klicken
#48
Hhhhhfffffffff, Wahnsinn.

Ich mußte erstmal nachsehen, was Myonen eigentlich sind.
https://www.ardmediathek.de/video/alpha-centauri/was-sind-myonen/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAxN1dPMDE5MjM0QTA

Schwere Kost, womit Du dich befaßt - alle Achtung.

Viele Grüße
Bernd
#49
Guten Morgen liebes Forum,

Ich hab mal wieder gebastelt.
Diesmal ist es kein Szintillator oder Gasdetektor, sondern ein Cherenkov-Zähler!
Als Radiator nutze ich einen 76 mm Durchmesser / 100 mm Hohen Glaszylinder von einem Tschechischen Händler names "Glass Sphere". Oben drauf sitzt eine 3" PMT, das ganze hab ich in einen lichtdichten Behälter gepackt. Nachdem ich hier auf hochenergetisches abziele muss ich mir auch keine Gedanken zu Fenstern o.Ä. machen, denn ein mm oder zwei an Edelstahl interessieren ein GeV-Teilchen so ziemlich garnicht  ;)

Leider habe ich zu dem Glas genau garkeine Info (ich warte noch auf eine Antwort vom Hersteller), also nehme ich einfach mal einen Brechungsindex von 1.5 an. Das würde mir eine Cherenkov-Schwelle von knapp 170 keV für Elektronen und ca. 35 MeV für Muonen geben. Generell werdet ihr sehen, dass ich hier sehr viele Annahmen treffe, für ein genaues ausmessen hat die Zeit noch nicht gereicht.

Ein teilchen mit beta = 1, also praktisch auf Lichtgeschwindigkeit, produziert in Glas ca. 20000 "detektierbare" photonen pro meter. Auf die lange Achse in meinem Glas sind das knapp 2000 photonen. Nimmt man eine Sammeleffizienz von 0.8 und eine QE der PMT von 0.25 an sind das immernoch 400 Photoelektronen, also ein absolut messbares signal. In 50 Ohm ist mein 1 pe signal ca. 1.3 mV groß, damit würde ein "voller" impuls immernoch über 500 mV kommen. Da allerdings nicht jedes teilchen direkt senkrecht durchfließt und ich ein bisschen "luft nach oben" haben will trigger ich bei 75 mV, also ca. 60 pe. Damit bekomme ich eine Rate von knapp 1 pro sekunde, was gut mit dem Muonen-fluss hier übereinstimmt! Das ist doch schonmal ein gutes zeichen, dass der kasten an sich funktioniert  ;)

Gestern abend ist der Aufbau fertig geworden, also hab ich ihn einfach mal über nacht laufen lassen. In der zeit habe ich auch ein paar muon-zerfälle nachweißen können!
Das Muon fliegt durch den detektor und gibt ein "Start" Signal, danach zerfällt es irgendwo und das resultierende Elektron (das ca. 35 MeV im schnitt bekommt) fliegt nochmal durch den detektor, was ich als "Stop" signal nehme. Nach 10 stunden habe ich sage und schreibe 6 solcher elektronen gesehen!
Hier zeigt auch wieder was spannendes:
Muonen haben eine lebensdauer von 2.2 µs, oder eine Halbwertszeit von 1.5 µs. Die zeitliche Verteilung der elektron-pulse zeigt: 3 der 6 elektronen werden innerhalb der ersten 1.5 µs detektiert!
Natürlich ist das statistisch komplett irrelevant, aber ein netter zufall  :P
Ich denke ich werde den detektor mal übers lange wochenende durch laufen lassen und dann etwas statistik drüber laufen lassen. Natürlich werde ich das Glas auch noch in meinen Muonen-Detektor stecken und damit die Effizienz bestimmen. Aber mir ist gerade langweilig auf der arbeit, also hab ich mal ein bisschen zusammengeschrieben, ich hoffe ihr hattet spaß am lesen.

Fragen wie immer gerne hier rein!

Viele Grüße,
Lukas
#50
Zitat von: Flipflop am 29. April 2026, 19:18In diesem Artikel erfährt man mehr dazu:
https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/viel-laerm-um-nichts-strahlen-alarm-im-englischen-garten-sorgt-fuer-spezialeinsatz-art-1128256
...aber immerhin kann man positiv hervorheben, dass das "unkalibrierte Konsumergerät" den "richtigen" Wert angezeigt hat. :)
Auch wenn die Interpretation des Messwerts und das weitere Vorgehen suboptimal war! :o
Vielleicht sollte man die Verkäufer dazu verpflichten, ein paar Seiten zur "Einordnung" oder das "radiation dose chart" ( https://xkcd.com/radiation/ oder https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Radiation_Dose_Chart_by_Xkcd.png ) beizulegen...