Wien: Altstandort Glühstrumpf-Fabrik Auer von Welsbach

Begonnen von NuclearPhoenix, 25. März 2025, 15:40

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

NuclearPhoenix

Dieses Thema hatte ich in einem vorhergegangenen Beitrag schon erwähnt, möchte es aber hier nochmal kurz als eigenen Thread präsentieren. Dazu dient mir der Altlastenbericht des Umweltbundesamts:

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

Die kurze Zusammenfassung aus dem Bericht:
ZitatBeim Altstandort "Glühstrumpf-Fabrik Auer von Welsbach" handelt es sich um einen 13.000 m²
großen Industriestandort, auf dem von 1887 bis 1928 Glühstrümpfe hergestellt und Rückstände
aus der Uranerz-Aufbereitung sowie radioaktiven Pechblendenrückständen behandelt wurden. Im
Bereich des Altstandortes ist eine wenige Meter in die Tiefe reichende, großflächige Verunreini-
gung mit Cer, Thorium und Uran vorhanden. An mehreren Stellen des Altstandortes wurde eine
Strahlenbelastung durch Thorium und Radium gemessen. Für einen rd. 3.500 m² bzw. 7.000 m³
großen verunreinigten Bereich ist eine Mobilisierbarkeit von Uran gegeben. Ein Eintrag von
Schadstoffen in das Grundwasser ist aufgrund der geohydrologischen Situation am Standort sehr
gering. Der erheblich verunreinigte Bereich des Altstandortes stelle eine erhebliche Gefahr für die
Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vorgeschlagen.

Der Standort befindet sich im 23. Bezirk von Wien, ganz in der Nähe des bekannten "Wohnparks" und der U-Bahn Station Alterlaa, direkt neben dem Liesingbach. Hier ist er auf Google Maps zu finden:

https://maps.app.goo.gl/HGJgmzHmcjY6293e6
Koordinaten: 48°09'20.2"N 16°18'50.4"E

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

Wie in der Zusammenfassung schon erwähnt, war an genau diesem Punkt lange Zeit (ca. 1887 bis 1928) die Glühstrumpffabrik von Auer von Welsbach beheimatet. Dort hat man einerseits aus Monazit-(Cer)-Sanden Cer und Thorium dafür aufgearbeitet, aber auch aus Uranerzen bzw. Pechblendenrückständen (aus Joachimsthal) bis 1907 vier Gramm Radiumchlorid gewonnen. Glühstrümpfe natürlich als Lichtquelle, vor allem für das Gaslicht in städtischen Straßenbeleuchtungen. Carl Auer von Welsbach ist der Erfinder des modernen Glühstrumpfs (neben vielen anderen Dingen).

Der Abbruch der Gebäude fand irgendwann vor 1938 statt (unbekannt) und im Laufe der Zeit wurde ganz einfach vergessen, dass dort jemals diese Fabrik mit dieser Vergangenheit stand. Die Osmium-Werke, die auf der südlichen Seite des Liesingbaches situiert waren, und u.a. Metalldrahtlampen hergestellt haben, waren hingegen weiterhin gut bekannt. Heute steht dort auf den sogenannten "Osram-Gründen" eine Wohnanlage.

An dem auf der Karte markiertem Punkt waren vor allem die Materialdepots und Rückstandslager der Glühstrumpffabrik. Das restliche Gelände gegen Nordwesten waren großteils Labors und Fabrikshallen. Heute ist der Standort vor allem Teil des Naherholungsgebiets entlang des Liesingbaches und zu einem großen Teil wird es auch als Lagerplatz der Stadt Wien genutzt. Der Lagerplatz ist vollständig asphaltiert und somit zu einem guten Grad versiegelt. Problematisch war allerdings der viel stärker kontaminierte Bereich der öffentlich zugänglichen Grünanlagen, an deren Stelle früher die angesprochenen Materiallager waren. An einem der ODL-Hotspots war in dieser Zeit eine Hundezone.

Hier ein Satellitenfoto aus dem Bericht:
Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

In den Jahren 2012 - 2014 wurden erste Bodenuntersuchungen und Oberflächenmessungen vorgenommen, 2014 Teile des Bodens getauscht, und im Jahr 2016 schließlich noch 16 Rammkernbohrungen durchgeführt. Die Hotspots der Untersuchungen kann man hier gut sehen, inkl. der entsprechenden ODL-Messungen:

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

Der am stärksten belastete Boden im Bereich des Altstandorts wurde schon vor Jahren ersetzt:
ZitatDer mit 500 m² größte und am höchsten strahlenbelastete Teilbereich wurde im Bereich der
ehemaligen Lager im Südosten des Altstandortes angetroffen. Ende 2014 erfolgte in diesem Be-
reich ein Bodenaustausch bis in eine Tiefe von max. 0,5 m.

Und zusammenfassend wird im Bericht erklärt:
ZitatZusammenfassend ergibt sich, dass der Altstandort erheblich mit Cer, Thorium sowie Uran ver-
unreinigt ist. Für einen rund 3.500 m² und 7.000 m³ großen verunreinigten Bereich ist eine Mobili-
sierbarkeit und Tiefenverlagerung von Uran mit Sickerwasser möglich. Eine Ausbreitung von
Schadstoffen im Grundwasser ist aufgrund der hydrogeologischen Standortbedingungen un-
wahrscheinlich und sehr begrenzt. In Zusammenhang mit der aktuellen Nutzung ist auch keine
relevante Aufnahme von Schadstoffen durch Menschen gegeben. Der erheblich verunreinigte
Bereich des Altstandortes "Glühstrumpf-Fabrik Auer von Welsbach" stellt eine erhebliche Gefahr
für die Umwelt dar.

Auch heute noch ist also der Boden (oberflächennah) noch übermäßig mit Schwermetallen (v.a. U) belastet, aufgrund der starken lokalen Begrenzung und der aktuellen Nutzung und Vegetation ist aber eine Ausbreitung sehr unwahrscheinlich und eine Gefährdung von Personen durch relevante Aufnahme auszuschließen. Aushubmaterial oder Sickerwasser kann jedoch sehr wohl noch erheblich belastet sein. Deshalb wird der Standort vor allem wieder zum Problem, sollte dort jemals nochmal gebaut werden. Das ist aber Stand Heute nicht der Fall. Bedenken muss man auch, dass der Standort so zum Zeitpunkt der Untersuchungen ja auch schon seit über 100 Jahren bestand. Da tut sich also so schnell nichts mehr.

Ich war selber vor ein paar Jahren mit einem Gerät dort (nach dem Boden-Austausch), konnte aber keine speziellen Nuklide mehr feststellen. Es war zwar noch eine gut messbare Erhöhung der ODL vorhanden (max. ca. 1 - 1,5 µSv/h), das Gamma-Spektrum hat sich aber nicht vom Hintergrundspektrum abgehoben.
Die Hundezone am südöstlichen Hotspot ist inzwischen ca. 30 m weiter östlich und an dem Altstandort stehen jetzt nur mehr ein paar Bänke, sonst ist dort alles weiterhin Gebüsch und Wiese. Den Lagerplatz der Stadt Wien gibt es auch noch unverändert.

In der Umgebung drumherum gibt es immer wieder ein paar verstecktere Stellen, an denen man Strahlung über Hintergrund messen kann, insgesamt ist es aber nichts nennenswertes und auf jeden Fall niedriger als an erwähntem Hotspot. Wenn man was messen will, hat man es am einfachsten im Bereich der Sitzbänke. Also: Setzen, ausruhen und energetisieren lassen ;)

Ich kann den Bericht des UB nur empfehlen, da ist genau aufgearbeitet was dort alles passiert ist und wo welche Verunreinigungen gefunden wurden. Soweit ich weiß wurde seit dem Bericht auch nichts mehr getan, insofern müsste das noch "aktuell" sein.

Cyl0nius